Samstag, 13. Juni 2026

Passanterweise

Oder: En passant am Passamt a.k.a. Kulturladen 
Oder: ich mag und verarbeite Deine Gedichte zwar nicht alle restlos, aber bleiben wir trotzdem Friede Freunde Eierkuchen

Anreise zur Vernissage: „Hat die Frau da wirklich ein ‚Fresse, Alter!‘-Tattoo am Hals?“ – „Psst, nicht so laut!“ – „Schau mal, da hinten auf dem Auto, das Logo Deiner Ex!“ – „Was? Ach so, Ex-Firma. Im Stadtteil dahinter hat übrigens wirklich meine erste Freundin gewohnt.“

„Lauter unlautere Laut-Sprecher unterwegs… erst die Demo und dann rechts im Röthenbacher Landgraben … scheinbar ein Kindergeburtstag, mit Megaphon-Eltern… Leisesprecher sind aktuell wohl leider nicht angesagt.“ (später wurde der Autor dann gebeten, lauter zu sprechen. Anm. d. Prot.)

Die Aufreihung der Gläser an der Bar im zweiten Ausstellungsraum: „einer geht aufs Haus.“ – „Na dann: Aufs Haus!“ – „Alter, war das jetzt peinlich, dass Du das Trinkgeld erst nicht in die Sammeldose gebracht hast… da war ein Schlitz und ein Loch… selbst im Kindergarten sind da mehr Formen! Vielleicht wie beim Führerschein-Theorie oder Erster Hilfe: gelegentliche Auffrischungen überlegenswert?“ – „Lou mer mei Rouh.“

Verlegenes Innehalten: Schüttelt man – nach Knigge – einem an der Hand Bandagierten selbige oder nicht?

„Wie herum arbeitet ihr?“ – „Erst meine Texte, dann ihre Bilder dazu, wie schon in Frankfurt.“ – „Die Buchhandlung in Eibach macht viele Lesungen, da wollen wir im Kulturladen normalerweise nicht so viel Konkurrenz machen…“

Das Konzept „Fangen wir c.t. an.“ erwies sich als wohlüberlegt, denn schlagartig füllten sich kurz vor dem verlegten Start (das waren dann wohl alles Akademiker:innen? Anm. d. Red.) die Reihen.

Die Leiterin des Kulturladens begrüßte die Gäste, gab für Auswärtige einen kurzen Abriss dieser soziokulturellen Besonderheit Nürnbergs - „Elf Kulturläden, wie die elf Freunde … gegründet von Hermann Glaser … ‚Kultur ist Bürgerrecht, Kultur von allen für alle‘“ – und gab ein kleines Soziogramm der Künstler:innengruppe: „Der Mann der Künstlerin ist das Bindeglied, der ist auch ein alter Freund des Autors. Und auch die Deutschlehrerinnen-Phase ist ein Bindeglied zwischen Text und Bild. Sie verwendet gerne Zeitungen als Zufallselemente, mit einer Schere als dynamisches Element. Und der Autor Gerd ist auch Journalist und Dozent.“

Gabi dankte dem Kulturladen für die gute Zusammenarbeit und erzählte ebenfalls aus dem Nähkästchen: „Gerd schickt immer wieder mal Gedichte rüber, die gefallen mir manchmal, nicht immer, und dann lege ich bei Gefallen los“. – „Wie, nicht alle?“ Oje, erste kreative Differenzen in der Band? Smiley.

„Von manchen Gedichten machte ich auch mehrere Varianten. Und ich dachte mir, ich nehme mal lieber zu viele Bilder mit. Ich hoffe, Sie machen das dann auch so, der Preiskatalog hängt ganz rechts.“ (oh, der ist ja auch gerahmt. Kostet der dann das gleiche? Definitiv ein Kulturladen, wo man Kultur kaufen kann. Anm. d. Prot.) (Redschreib kein Blech, Digga, geh Buch kaufen, Du Opfer. Anm. d. Red.)(das war ein scherzhaftes Querreferenzieren auf den Schluss des Textes, siehe unten. Ergänzende Anm. d. Red.)

„Ich bin übrigens auch ein großer Fan der Kulturläden. Ich fange jetzt an mit dem Anfang. Oh, danke fürs Vorführen: Der Hinweis auf das Stummschalten der Handys fehlte…“

Und schon ging es in die Geschichte um die zweifelhafte Ehre, von einer Taube als Wohnort ausgewählt zu werden, und wie das verheiratete Umfeld damit umgeht. Anders als bei Patrick Süßkind stets mit einem klaren Fokus auf dem Humor („es war Notwehr, dass sie nach Dir gehackt hat.“ / um ihr den Fluchtweg offenzuhalten, froren wir) 

(An dieser Stelle sei das – an dieser Stelle aufgetretene und vom Autor durchaus bemerkte - Gähnen des Neben- bzw. Haupt-Mannes des Protocollagisten kurz aufgeklärt: Er hört zum Einschlafen Hörbücher. Auch wenn wir tagsüber im Urlaub eines hören oder überhaupt jemand eine Zeitlang spricht, muss ich ihn wachrütteln. Das ist also eher ein Kompliment! Anm. d. Prot.)

„Klasse fand ich dann die Diskussion, ob der Protagonist wohl lieber ein Haustier hätte... und dass er für sich beschließt, mit dem Tier ein ernstes Wörtchen über Stubenreinheit zu reden … und natürlich den netten Versprecher ‚ein Pflaster im Kühlschrank‘.“ – „Ja, oder das ‚hab Dich nicht so, Tauben sind doch friedlich, siehe Friedenstauben!‘“

„Die Ehefrau kommt in dieser Szene nicht so gut weg… daher sollte ich als Autor vielleicht ein paar Anmerkungen zum weiteren Fortgang machen: Da sind dann mehrere Personen und deren Geschichten verwoben. Offen aber hoffentlich trotzdem ganzheitlich. Und eigentlich geht es in allen Geschichten um die Liebe, es folgt jetzt der Teil, wo ein Mann seine Jugendliebe wiedertrifft.“ 

Die Beschreibung, wie der neue Protagonist beim Spazieren Profil und „Tanz der Lippen“ seiner erneut Angebeteten betrachtet, wird gleich durch die nächste Erklärung unterbrochen: „Die gerade im Gespräch erwähnte Dame in der Pizzeria ist die Nebenbuhlerin der Taube, also die Ehefrau des ersten erzählenden Ichs, denn die redete dort scheinbar mit einem imaginären Gesprächspartner.“ (jetzt bin ich WIRKLICH gespannt, wie es weitergeht! Gut, dass ich das Buch zum Fertiglesen habe. Anm. d. Prot.)

Und dann das Verweben: „Komischer Typ dort … und ist sein Sweatshirt voller Taubenexkremente? Und hat er da ein Vogelnest auf dem Kopf?“ Zufriedenes Gelächter im Publikum, dass dort mittlerweile Nachwuchs piept. „Ich kam nicht umhin, zu bemerken, dass Sie über mich sprechen und die kleinen Täubchen auf meinem Kopf bemerkt haben. Ich weiß, ‚bei Ihnen piepts wohl‘ und so weiter, aber ist das nicht großartig? Entschuldigen Sie mein Nuscheln, aber ich darf den Kopf nicht zu sehr bewegen. Und ich bin übrigens Verhaltensforscher.“ 

Das „Aha-Duett“ der Jugend- und Erneutliebenden, die nach dem Weitergehen ihre Gespräche quasi beflügelt fortsetzen und natürlich viel Gesprächsstoff haben. „Ökologisch ist sein Verhalten jedenfalls vorbildlich. Lach nicht!“ - „Ob sie ihn dann als Trauzeugen zur Hochzeit einladen, weil er unbehagliche Gesprächspausen bei ihrem Wiedertreffen verhindert hat?“ – „Aber ihn auffordern, sich vorher doch bitte umzuziehen!“ – „Psst!“

„Ich mache jetzt eine kurze symbolische Pause, ehe ich zur Lyrik wechsle… fertig. Die Gedichte sind teilweise hier auch ausgehängt. Ich fange mit dem titelgebenden ‚Passanten‘ an.“

Bei den Gedichten dann viele Stellen, die einen nachdenklich innehalten lassen… der „Schatten, der anhält und dir nachblickt“ … oder die „Sitzbank zur Betrachtung der Lage“ … da gehören definitiv mehr aufgestellt! (Am besten mit Beschattung wegen steigendem UV… Anm. d. Prot.)

„Die nächsten drei Gedichte – Hesperide, Theodor-Heuss-Brücke und Rosenau – beschreiben Nürnberger Orte, das nur als Anmerkung für die Zuhörenden, die von weiter weg … also, natürlich auch als Anmerkung für die aus Nürnberg… Übrigens, nicht verwechseln: das Afrikafestival unter der Brücke ist im Juni, und das Brückenfestival im August.“ 

Auch hier wieder überraschende Wendungen, wie Gesetze und das Leben, die tanzen oder Wünsche haben. Oder der unerwartet weit gespannte Bogen, was alles „vor der Haustür“ liegt, von ausbrechenden Vulkanen über frisch gegrabene Flussbetten bis hin zu schwarzen Löchern.

Letzteres deutet schon das Themenfeld der darauffolgenden „kosmischen Trilogie“ an: „Wow… das ‚manche der gelegentlich ein Teil von uns seienden Teilchen verlernen auch wieder, Teil unseres Ichs zu sein‘erinnert mich an Terry Pratchett, der hat das auch schon sehr schön mit dem Kommentar des Kanzlers ‚boah, ist das nicht unhygienisch?‘ verarbeitet!“ – „Cool war auch der Wechsel von den Weiten des Alls und den Jahrmilliarden zum Folgesatz ‚und sonst so?‘“

Und wenn bisher nicht mal eine galaktische Minute Menschheit im technischen Stadium, dann kann es auf dem AB von SETI wirklich irgendwann mal heißen: „Sie haben eine neue Nachricht“ … die dann nicht mehr abgehört wird.

„Und hier wieder ein Bogen zurück zum Roman: Das nächste Gedicht hat mit Vögeln zu tun.“ – „Und mit Liebe?“

Der Autor unterbricht – trotz der gerade so schönen Stelle, dass sie die kostbare Zeit vor der Nacht lieben – erneut den Gedichtvortrag: „Das ist wie beim Philosophen Thomas Nagel, der gefragt hat, wie es ist, eine Fledermaus zu sein. Bei mir ist es kein Aufsatz, sondern ein Gedicht, und es geht halt um Vögel, nicht um Fledermäuse. Aber die Gedankengänge sind ähnlich.“

Nach dem philosophischen – „er ermöglicht und überdauert das Leben“ – Regen(sound)porträt – „Ich sehe die anwesenden Teilnehmenden dieser Reise teilnahmsvoll nicken“ – gab es zum Abschluss noch ein Meta-Gedicht über den lyriterarischen Prozess: „morgens ist der poetische Blick für die Alchemie des Seins noch offen, das „Hirn noch traum(haft heraus)geputzt … und ist es wirklich okay, den bunten Cocktail des Lebens in bleischwarze Buchstaben zu gießen?“

„Das wars, vielen Dank, jetzt zum gemütlichen Teil.“ – „‘Sonst werde ich ungemütlich?‘ Die Stühle waren doch ganz okay…“

„Du hättest mit etwas langsameren Tempo die Lesung noch strecken können … oder wie bei Wortwerk die Gedichte doppelt vorlesen können, damit die Zuhörerschaft das besser aufnehmen kann.“ – „Hm… die Lyrikpassage einfach zweimal hintereinander? Oder jedes Gedicht doppelt vorlesen? Oder jede Zeile? Das wirkt … das wirkt … irgendwie komisch … irgendwie komisch … wie ein Echo, das das Diminuendo vergessen hat …“ – „Oder man hätte die Gedichte bzw. die Collagen auch projizieren können?“

„Das … na, Dings… Autoren und Wörter…“ – „Passt schon, ein Buch fällt ja auch in die Kategorie Ding.“ – „In Anlehnung an die britischen ‚Knock knock‘-Scherze könnte man auf jedes ‚Ding‘, das jemand einem unabsichtlich ins Gesicht sagt, mit einem – dessen Anspannung dann lockernden – ‚Dong‘ antworten…“

„Schreibst Du gerade eine Widmung oder das nächste Gedicht?“ – „He, gute Idee, das zu kombinieren!“

Diskussion von Geldautomatendesign: „Ich traue mich immer nicht, bei Fremden ins Gespräch einzusteigen, aber ich hätte fragen können ‚ach, sind Sie vom Fach?‘“ – „Stimmt, und was machst Du, wenn herauskommt, dass die die beruflich sprengen… denn manche von denen besuchen sicher auch Vernissagen … das gibt dann mindestens betretenes Schweigen, wenn nicht schlimmer…“ – „Das ‚vom Fach‘ ist eh eine komische Formulierung, findest Du nicht? Das kennt die Jugend sicher nicht mehr… das erinnert mich an die aktualisierte Version von Rapunzel mit dem ‚wirf Haar runter‘ und ‚das sind Extensions, Digga; geh Treppe, Du Opfer‘“ – „Ja, ihr liebt beide das Skurrile, kann das sein?“

Hinterm Horizont soll es gewissen Barden zufolge weitergehen … oder eben vor der Haustür, sicher für ein paar Googol Jahre … und sonst so? Na, Energiewende, Klimaschutz, Demokratieerhalt und so! Damit der menschliche AB weiter abgehört wird!



Freitag, 5. Juni 2026

Zuckerbrot, Alpentatort und Passanten

 Auch im Juni ein paar Wortwerkelnde sehr aktiv:

Am 13.6. um 15 Uhr hält im Zuge der PEN-Jahrestagung Leo F. Seidl einen Workshop zum Verfassen engagierter Literatur im Bildungscampus Nürnberg, und um 19 Uhr Vernissage der Ausstellung "Passanten" mit Collagen von Gabi Fitzner und Gedichten von Gerd Fürstenberger im Kulturladen Röthenbach.

Am 20.6. lesen Leo F. Seidl und Paul Stefan Wolff bei "StadtLesen" in Fürth.

Montag, 1. Juni 2026

Ton, Steine, Schere, Klavier - Brunnen gewinnt!

( Oder: An Mordseis leckende Schlangen sind wie Drohnen)

Hallo in den Sprachen dieser Welt, aufgrund der letzten Geschichte in der Runde diesmal jiddisch / hebräisch: „Hals- und Beinbruch, liebe Mischpoke!“ (das sind zwar deutsche Begriffe, die aus dem Hebräischen stammen, aber Du meinst „Shalom aleichem“ Anm. d. Red.)

“Was bisher geschah, also auf dem Herweg zum Treffen: Ein kleiner Junge raste mit seinem Rad ständig rund um den U-Bahn-Ausgang. Wie bei einem Computergame … wie hieß das? ‚Frogger‘? … musste ich den Ring durchbrechen. Als Endgegner fuhren ihm dann zwei E-Bike-Lieferdienst-Fahrer entgegen.“ – „Und wie ging das aus?“ – „Ich weiß nicht, ich konnte nicht hinsehen.“ – „Abgesehen von unterlassener Hilfeleistung finde ich bei dieser … Kurzgeschichte? … das offene Ende nicht so prickelnd…“

„Wir sind noch zu wenige Teilnehmer, unterhalten wir uns doch über (Plattform-Name entfernt. Größter Fluss der Welt ohne „as“ / Kriegerinnen der griechischen Mythologie ohne „e“. Anm. d. Red.) als Arbeitgeber, also wegen ‚Verkauf der eigenen Bücher auf besagter Plattform‘ bzw. auch Self-Publishing dort.“ - „Ah, habe Dich dort gefunden. Sechsstellige Platzierung bei Belletristik ist nicht der Umsatz in Euro, oder?“ – „Kein großer Schmerz, ein Zeichen zu setzen und auf europäische Plattformen zu wechseln, aber welche…“

„Jetzt sind wir genügend, jetzt lese ich vor.“ – „Ok, Paul.“ – „Meinen Text ‚Zuckerbrot‘ werde ich dann diesen Monat bei ‚Lesen in Fürth‘ vorlesen.“ – „Gibt es auch ‚Vorlesen in Fürth‘? Denn beim anderen sitzt man doch mit Büchern gemeinsam im Park?“ (nachträgliche redaktionell aufbereitete Auflösung des Mistverständnisses: „Lesen!“ findet im November 2026 statt, „StadtLesen“ hingegen im Juni, wo am 20. neben VS und Leo Seidl auch der AutorenVerband / die Wortkünstler mit Paul vorlesen werden. Anm. d. Red.) „Der Text ist eine Hommage an die wieder aktuelle faschistisch-patriarchalisch-dystopische Serie ‚Die Geschichte der Magd‘“.

Die Erzählerin sinniert über männliche (Rot-Stärke-)Grün-Schwäche, auch beim Einkaufen von Gemüse oder Blumen, der Rasen-Beurteilung – Loriot hatte also unrecht – und dem Reagieren auf – jetzt blaugekleidete – Polizisten, und dass frau daher mit „grün, grün, grün, sind alle meine Kleider“ ihre Ruhe vor Männern hat, vielleicht auch wegen Reminiszenzen an Rinde und Falten. Über Fast-Fashion und das – das ist jetzt der Science-Fiction-Part – auch nach oraler Einnahme wirkende Kuschel- und Orgasmus-Hormon Oxytocin spannt die nicht weiter beschriebene, zunehmend feministisch-kämpferische Erzählerin den Bogen zur Versklavung der Frauen und Drohnen, die nacheinander mit Frauen, Liebe und Torten verglichen werden.

„Da habe ich wieder Probleme damit, nicht parallel mitlesen zu können – unser altes Thema! Denn nach dem ‚Männer-Bashing‘ am Anfang kam doch plötzlich ein Wechsel zum männlichen Erzähler? Und dann die Selbstoptimierung, teils konkrete lustige Tipps wie das – auch für Nickerchen gültige – Lob fürs Aufstehen, teils gebasht, wie auch anderes ‚neumodisches Zeugs‘…“ – „Ja, da schließt sich ja dann das ‚kommt von den Homosexuellen‘ an – da sollte man wahrscheinlich einfach eher undistanzierter ‚von den Schwulen‘ sprechen, aber das ‚zu blöd, Beziehungen zu führen‘ im Satz danach bezieht sich dann nicht auf die Schwulen, sondern die Trends-Mitmacher davor … sehr verwirrend, und trägt Dir dann vielleicht noch ungerechtfertigte Vorwürfe wegen Homophobie ein…“ – „Mein Deutschlehrer fände die Ich-Perspektiv-Wechsel jedenfalls schlecht.“ – „Allein schon deshalb – aber nicht nur deswegen – finde ich sie dann gut!“ – „Braucht man den Hommage-Hinweis auf die Serie?“ – „Nein, eher weglassen… das Dysto-Setting ist ja bald wieder Realität …“ (Das Eingeständnis eines anwesenden Mannes, tatsächlich eine Rot-Grün-Schwäche zu haben, führte übrigens zu einer ausführlichen Befragung einer anwesenden Frau, wie das so in der nicht-dystopischen Praxis wäre. Anm. d. Prot.)

„Zum Vorlesen Deiner Satire: das war sehr monoton vorgetragen.“ – „Genau, gut!“ – „Nein, schlecht!“ – „Und verschmitzt vortragen!“ – „Nein, gerade bierernst!“ – „Aber vor allem langsamer.“ – „Und ist das nicht eher ein … ich weiß nicht, Wintertext, als für vergnügliche Sommerlesung im Park?“

„Drohneneltern sind die neuen Helikopter-Eltern.“ – „Ja, nicht zu verwechseln mit – wenn auch kaum unterscheidbar von – den Curling-, Schneepflug-, U-Boot- und Rasenmäher-Eltern!“ – „Kennt noch jemand den alten Film ‚der Rasenmäher-Mann‘? Das ging auch nicht gut aus…“ – „Zurück zum Text, bitte: Er hat eine hohe Dichte, aber Absurdes bitte weiter verstärken, herausarbeiten!“ – „‘Verdichten!‘, sprach der Lyriker beim Autoschrauber:innen-Stammtisch!“ – „Und ich möchte noch ergänzen: Du nuschelst wie ich beim Textvortrag.“ – „Also, in meinem Fall liegt es am Kautabak.“ – „Was ist das?“ – „Na, das hier.“ – „Igitt, ‚Show and Tell‘ muss da jetzt wirklich nicht sein!“

„‘Halt!‘ - das war das Motto, des Wettbewerbs, an dem ich mit dem folgenden Text teilgenommen habe. Für den brauche ich übrigens noch einen Titel. Und nach Abgabe habe ich dann festgestellt, dass das Motto eigentlich konkreter ‚Halt am Körper‘ gelautet hätte…“ (ich frage mich, wie viele Protocollage-Lesende hier bereits die Worte von Coralie heraushören … Anm. d. Prot.) „Und es geht um einen eingebildeten Flügel.“ – „Na, da hast Du doch schon eine neugierig machende Überschrift! Und ich bin gespannt, ob jemand glaubt, fliegen zu können oder ein Engel zu sein, oder ob er sich an ein imaginäres Musikinstrument setzt…“ – „Du weißt, dass auch das Adjektiv mehrere Bedeutungen hat?“

Und tatsächlich ging es um einen Gegenstand, der sehr überzeugt von sich ist… und verwundert, dass er – obwohl das beste, wohltemperierteste, hochglanzlackierteste und teuerste Instrument im Geschäft – nicht gekauft wird. Auflösung: letzteres.

„Das erinnert an ‚Ich bin ein Star – holt mich hier raus!‘“ – „Das psychologische Thema des Verschmäht-Werdens. Ich habe viele Jahre in einer Disco gearbeitet und das Herausputzen, die Hoffnungen und Enttäuschungen hautnah erlebt.“ – „Naja, wir als Otto-Normal-Discogänger:innen ja auch, ohne dort zu arbeiten… aber genau: Das war wie eine prä-digitale Partnerbörse.“ – „Was ist eine Partnerbörse?“ (Wie ein Rudel Wolfs-Eltern versuchten die Anwesenden daraufhin – metaphernfreudig, da kann die Autor:innengruppe nun mal nicht aus ihrer Haut – die Begrifflichkeits-Unklarheiten zu beseitigen. Anm. d. Prot.)

„Dein Text ist eine Parabel, ein Gleichnis.“ – „Und ich würde die Selbstzweifel mehr herausarbeiten, mehr Psychologie.“ – „Naja, eigentlich geht es beim Text darum, dass ich mir einen Bechstein wünsche.“ – „Ach sooo, das ist ein Text mit einer ganz gezielten Zielgruppe! Ein Verkaufs-bzw.-Kaufs-Werbe-Text sozusagen! Wie geht das bei euch dann im Alltag? Wenn Du etwas möchtest, findet die Familie auf dem Frühstückstisch einen Zettel mit einer neuen Kurzgeschichte? Darüber, wie einsam und ungeliebt sich der betreffende Gegenstand im Laden vorkommt?“ – „Das könnte man als Erzähl-Ebene noch drumherum bauen!“

Dann (repeat, piep! Anm. d. Prot.) wurde der Text für die Nachzügler – obwohl diese nicht Teil der eben ermittelten Zielgruppe sind – noch einmal vorgelesen.

„Statt dem konkreten Product-Placement – wir sind noch alte Schule, als das noch verpönt war – vielleicht etwas Flexibilität, so nach dem Motto ‚ich nehme auch einen Steinway oder Feurich oder Bösendorfer oder Kawai oder Yamaha oder Schimmel oder Fazioli‘? … wobei ich empfehlen würde, nichts zu Hochpreisiges zum Einstieg zu nehmen.“ – „Wer spricht denn vom Einstieg?“ – „Ich finde, es findet zu wenig Entwicklung in der Handlung statt.“ – „Ja, vielleicht noch einen Gegenspieler – wurde da nicht in einem Halbsatz eine Ukulele erwähnt? Oder natürlich eine menschliche Person… - oder ein Ereignis… und dann könntest Du die Handlung kippen lassen…“ – „Na, Hauptsache nicht den Flügel, höhö… ‚Flügel, Dir werd ich Deinen Hochmut stutzen…“ – „Variiere testweise ein bisschen! Nicht gleich ein ganzer Textzyklus, aber unterschiedliche Tonalitäten täten gut, quasi Dur und Moll.. Adagio, Allegretto, Presto … Dreivierteltakt …“ – „Genau, ein paar Goldberg-Variationen… oder das ganze vielleicht als interaktives Spiel, wie ein Textadventure früher, nur mit Noten?“

„Intertextuell gefällt mir bei Dir auf jeden Fall, dass Du oft das Innenleben von Gegenständen thematisierst.“ – „Bei den Enden meiner Geschichte geht es oft um den Preis… aber ich habe oft auch Mitleid mit Dingen, die nicht gefallen. Schon beim Spielen mit Stofftieren hatte ich Sorge, dass sich die anderen ungeliebt fühlen…“ – „Ja, geht unserem Sohnemann genauso.“ – „Ich hätte noch einen Text über eine Bank, die eine Bank ausraubt…“ – „Eine Fusion? Aber ich finde, den nächsten Vorlese-Slot sollten wir für unseren Gast aus Erlangen, Gerd Fürstenberger, freihalten…“ – „Aber ich bin gar nicht aus Erlangen!“ – „Aber Du hast doch mit den Erlangern vorgelesen? Als Fürther? Schwabacher? Neumarkter? Ansbacher? Höchstädter? Forchheimer? Pappenheimer?“ – „Und ich habe nur einen ganz frischen, unüberarbeiteten Text, frisch nach dem Gewitter gestern geschrieben, also ‚seid‘s gnädig‘…“ – „Na, das ist doch mal gut, nicht immer diese abgehangenen, gepökelten, feingeschliffenen Texte… aber darf ich erneut anmerken, dass in der Signal-Gruppe geteilte Texte zum Mitlesen schön wären? Ich fotografiere mir mal ab…“

„Das Pendeln in der Lyrik zwischen den zwei Polen Allgemeinplatz und Lesefluss-sprengender Assoziation…“ – „AC/DC Wechselstrom-Lyrics?“ – „Auch in den Strophen schöne Wechsel, eine Dreiteiligkeit: Erst der Tatort mit den herumliegenden Gliedern. Vielleicht statt des Vergleichs ‚wie Glieder‘ sogar mutig die Metapher ‚die Glieder der Bäume verteilt‘ nehmen? Dann kommt das Positive: Stürme verteilen Samen, Wasser spenden Leben, die Luft geschwängert… und als drittes dann die Bewegung… erneut die Knochen, aber Kraft in denselben, und das Kind schaukelt dem Himmel entgegen, das ist ein sehr schönes Bild, das den Kreis schließt.“ – „Ja, trotz herumliegender Organe und mordendem Eis sehr konsistent.“

„Kill your darlings – in diesem Fall wäre das Killer-Eis ein Kandidat? Zumal: ist Hagel wirklich tödlich?“ – „Du wieder mit Deiner anthropologischen Sicht! Frag mal ein totes Insekt, das von einem kanonenkugelgleichen Hagelkorn erschlagen wurde!“ – „Das kanonische Eiskugel-Gleichnis?“ – „Ich muss gerade an eine Ameise denken, die von einer Speiseeiskugel erschlagen wird…“ – „Oder ein Mord an einem Vanille-Allergiker … außer es sind nur Aromastoffe…“ – „Das Wort- und Mord-Material der Wahl…“ – „Könnt ihr mal aufhören und bei der Textkritik bleiben?“ - „Mein Mund ist übrigens versiegelt, gerade bei Lyrik habe ich als Autor das Recht und die Pflicht zu schweigen.“

„Wo?“ – „Es geschah draußen…“ – „Ich erkenne jedenfalls das Beschriebene wieder, wir sind nach dem Gewitter auch an der Pegnitz entlanggegangen.“ – „Das erinnert mich an das Treffen vor einem Jahr oder so, wo jemand aus Tobis Regional-Dysto-Science-Fiction die U-Bahn-Station herausgelesen hat.“ – „Oder bei der Erlanger Lesung die Tagesfliegen-Friedhöfe…“ – „Beim Informatikstudium in Erlangen mussten wir als erstes Palindrome finden, wie ‚So riefen sie den Leichenwagen, weil Leichen auf den Weichen lagen…‘“ – „Ich wiederhole: Können wir beim Thema bleiben? Ich habe mit dem – wenn auch aus Insektensicht korrekten – ‚mordenden Eis‘ Probleme…“ – „da hatte ich – Mist, jetzt fange ich doch an zu erklären – erst ‚tötendes Eis‘, aber das war mir zu schwach…“ – „‘Eis mit Tötungsabsicht‘? Aber ich glaube, mich stört, dass noch aktuelle Handlung impliziert wird, obwohl es ja eher eine Tatort-Besichtigung ist… also ‚gemordet habendes Eis‘? Aber das geht nicht so gut von der Zunge, Kautabak hin oder her…“ – „Der Erzähler war noch geschockt. Eiskalter Mord.“ – „Eiskalte Kritik. Moment, kann ich meinen Textausdruck noch mal haben für die Stellungnahme …“ – „… die Du nicht geben willst, wie ich als Dein imaginärer Anwalt hinzufügen möchte…“ – „Ich glaube, eine Umstellung zu ‚zerflossen in Pfützen, das mordende Eis‘ brächte die Erzählzeit wieder ins Lot…“ – „Mein Mandant nimmt den Vorschlag an. Au! Bei der schwülstigen Formulierung knallt mir gleich mein Handy an den Kopf.“ – „So eine App wäre beim Schreiben oder beim Vortrag sehr hilfreich! Wie heißt die?“

„Wassim, Du hast noch einen Text?“ – „Ja, aber nur zwei Worte.“ – „Wow, das ist ja Haiku im Quadrat!“ – „Ich lese ihn auch nicht vor, denn er hat sich noch nicht in meinem Kopf zusammengefügt. Aber ich habe Tonfiguren geknetet. Hier sind die Bilder…“ – „Auf jeden Fall die interessanteste Vortrags-Art heute! Und der Begleittext heißt ‚Vor der Arbeit, nach der Arbeit‘? Und die Figur danach hat einen riesigen Kopf … die Arbeit ist ihr zu Kopf gestiegen. Ein Wasserkopf von der Arbeit…“ – „Ist das ein Selbstportrait? Ich finde jedenfalls, er hat sich im Ton vergriffen. Höhö.“ – „Höhö. Das waren Ideen ohne Worte. Ich habe die Figuren drei Stunden geformt.“ – „Und das soll jetzt kein Mobbing oder Bashing sein, aber man sieht den Figuren die genannten drei Stunden Arbeit nicht an.“ – „Da gab es doch Zwischenfiguren … wäre cool, wenn Du die alle fotografiert und dann Stop-Motion-mäßig zu einem Film montiert hättest, der abläuft, während Du Deinen Text vorliest… oder ein Video ‚making of‘…“

(ich habe hier noch die Notiz „Dicke Beine: Ameise Horror, Blut und Lymphe.“ Leider kriege ich das nicht mehr einsortiert. Anm. d. Prot.)

„Aus BWL … die Geschichte der Arbeit… der Overhead…“ – „Ich trage den Text dann nächstes Mal vor.“ – „Das wird dann das einzige Treffen jemals, wo die Anwesenden nach dem Vortrag sofort mit Gegen-Texten zum gleichen Thema um die Ecke kommen.“ –„Sind die Figuren gebrannt?“ – „Nein, der Ton ist noch weich…“ – „Wird also wieder eingestampft, das Kunstwerk. Sehr Mandala-‚alles ist vergänglich‘-mäßig …“ – „Viele Deutungsebenen… der Kopf wächst, da mitgedacht… viele Fragen im sich blähenden Kopf…“ – „Naja, ich hatte meine Frage im Kopf, und die Hände haben es übersetzt.“ – „Oder die Frage passt nicht. Voll die Douglas Adams 42-Vibes.“ – „Der Ton ist ja eigentlich passiv, wurde aber plötzlich aktiv und formte mich.“ – „Das erinnert an die goldenen Drehbuch-Regeln: Forme die Figuren, bis sie ein Eigenleben entwickeln.“ – „Oder ein Leben für den Autor entwickeln.“ – „Na, ich bin ja mal auf seine und unsere Geschichten dazu gespannt!“ – „Es ist auch eine Art Tanz. Im Flow. Und wenn Du mit Anfang und Ende nicht zufrieden bist, schneidest Du sie weg.“ – „Also die Tonfiguren? Der tonlose Töpfer… es bleibt dann nur das Gefühl…“ – „So fühle ich mich immer donnerstags, da habe ich vier Stunden Latein am Stück.“ – „Da geht es nur ums Überleben…“ – „… sagte die Biene im Hagelsturm.“

Dann spielten Mutter und Tochter Stein, Schere, Klavier, wer den letzten Text vorlesen darf. „Das war nicht Stein, das war Brunnen!“ – „Wo kommt das bitte im Titel des Spiels vor?“ – „Ich habe noch viele Texte wie das mit der Bank und dem Banküberfall oder Stromwerk oder Muttern und Schrauben…“ – „Mag ja sein, aber ich habe trotzdem gewonnen. Hier ist – nur minimal verspätet – ein Pfingsttext. Und die Überschrift lautet…“ (Hält Tablett hoch: „[θ]“ ). „Das dentale Frikativ, das zischende englische Ti-Eitsch“

Es folgte eine Geschichte über einen Autounfall, die Unfallgegnerin verhält sich äußerst seltsam: sie lispelt, leckt dem gerufenen Polizisten übers Ohr und steckt die Protagonistin und sogar ihr Navi mit dem Lispeln an.

„Die dazwischen gestreuten Sätze aus dem Podcast, den die Protagonistin hört, passen auch gut, weil es ja darum geht, dass Sprache die Welt verändert. Und die Stopptaste stoppt das nicht.“ – „Aber ein sehr verwirrender, fantastischer Text… wietho … pardon. Wieso lispelt die Protagonistin auf einmal?“ – „Hehe, das war jetzt wie der Schlipth von Lord Hesketh-Fortescue bei Loriot. Aber ist doch ganz klar: Die Glattnatter hat sie glatt gebissen!“ – „Und das Navi wohl auch?“ – „Und thie – argh! – sie ist dann Apostelin geworden? Und nicht eher Nazareth statt Jerusalem? He, Autorin! Gib uns Brotkrümel!“ – „Alles gut. Ein Text zum Thema „Verwirren“ darf verwirren, wie einer zum Thema Angst Angst machen darf.“

(Passend hab ich hier noch verwirrende Fragmente: „Fragmentarisch vs. schöne Struktur. Zu Kollaps (der Gedichte): muss so sein, wie beim Witz. Sollänge übersteigen: In die Irre geführt.“ Anm. d. Prot.)

„Aber noch mal, ich will das begreifen: War die Protagonistin schon die Schlange? Ist sie mit sich selbst kollidiert? Ist sie eine gespaltene Persönlichkeit in zwei Autos?“ - „Na, sie ist sie!“ – „Sehr hilfreich.“ – „Na, sie übernimmt die Sprache und Persönlichkeit!“ – „Dann fährt sie mit dem falschen Auto weg.“ – „Überhaupt: Die Autos stören. Die Polizisten braucht man auch nicht.“ – „Und sie radelt oder spaziert mit altem Ghettoblaster und hört den Podcast, oder wie? Und das Navi, das am Schluss ihr neues Reiseziel ansagt, braucht man ja auch!“ – „Da kann man bei E-Bikes ja das Handy in die Halterung klemmen.“

„Übrigens: Du lithpeltht bei den Lispel-Stellen zu wenig beim Vorlesen.“ – „Lustig auch, dass beim Bethprechen höhö des Textes in dieser Runde ein Crescendo des Lispelns zu bemerken war… es ist ganz klar epidemisch, der erwähnte Transfer von Persönlichkeit!“ – „Das Theta-Zeichen hat in der Mathematik übrigens mit Winkeln und Perth…spektive zu tun. Das passt ja auch!“ – „Also thematisch geht es um bröckelnde Realität.“ – „Durch Sprachverschiebung. Hm. Du hattest ja noch die Lesart ‚Traum‘, ich eher ‚Unfallschock‘ beziehungsweise Nahtoderfahrung…“ – „Eine Parabel auf die realitätsstiftende Funktion der Sprache? Oder ist das zu sehr Wunschdenken von Textschaffenden?“ – „Die Hausaufgabe bis zum nächsten Mal steht auf jeden Fall fest…“ – „Die Fahrt nach Jerusalem?“

„Die Fortsetzung drei Monate später dann aber bitte deutlicher aber natürlich unter Wahrung des Show-Don’t-Tell… im Nicht-Aufgehen oder Aufgeben des Textes des Parabelhalters oder -haften. Oder so.“ – „War der Autounfall also eine Kollision?“ – „Ein Pfingstwunder muss ich nicht erklären, Herrgottnochmal! Pardon!“– „Die Begegnung mit der Schlange steht ja für die Begegnung mit dem Teufel, aber warum schickt die zum Missionieren nach Jerusalem? Teufel noch eins! Jedenfalls ein toller Text: Lustig, unheimlich, verwirrend!“ – „Und das war das Treffen mit der bisher höchsten Textdichte: Paul, Coralie, Gerd, Wassim und Antonia haben vorgelesen!“



Donnerstag, 21. Mai 2026

Level, Leitern und Wellenbrecher

 "Level Up?": Lesung, Klang- und Game-Performance im Go(ho)stener Theater: Jede:r der drei Autor:innen hatte (Endboss-mäßig) scheinbar je eine eigene Security dabei, denn das Ticket wurde am Hoftor, an der Haustür und an der Bühnentür separat kontrolliert ... oder waren das getrennte Kontrollen durch die beteiligten Parteien "VS Verband der Schriftsteller", Veranstaltungsort und die Künstler:innen selbst? : -) (Cool waren die Augmented Augenlinsen, mit denen die Gorillas die QR- und Barcodes scannten, ganz ohne Handgerät... Anm. d. Protocollagisten) - ("Gorilla" bezieht sich hier auf eine umgangssprachlich übliche Bezeichnung für Türsteher:innen und ist NICHT (ab)wertend gemeint. Außerdem liebt mein Mandant Affen und fördert entsprechende Schutzorganisationen. Anm. d. imag. Justitiars) -(An die Reaktion: Ich würde diese Protocollage gerne im Stil eines Game Reviews einer der bekannten Spielezeitschriften machen, wie Amiga Games, Game Star PC oder GamePro Konsole machen, ist das ok? Anm. d. Prot.) - (Ich traue mich wetten, den Vorsatz hast Du schon ein paar Sätze weiter vergessen. Anm. d. imag. Redaktion) - (Lass ihn. Er will doch nur spielen. Anm. d. Just.)
"Entschuldigung, darf ich euer Gespräch punktuieren, um das große Grußprotokoll meines Angetrauten zu überbringen, oder ist diese ungefragte Störung ein sozialer Fauxpas?" - "Naja, schon die Unterbrechung durch diese Frage … Schande über Dich! Aber danke und plus Eins zurück!"
"Wie war das jetzt noch mal mit der Middleware? Das Update downloaden oder das Downgrade uploaden? Ja, ja, die Fachtermini..." - "Das haben wir bei den Geschichten über Gaming jetzt auch gleich..."
"Seid ihr verwandt oder seht ihr euch nur ähnlich?" - "Das sähe uns ähnlich..." - "Entschuldigung." - "Alles gut. Warum sollte uns das stören, wenn man uns darauf anspricht?" - "Naja, es sind ja nicht alle geschwisterlichen Beziehungen harmonisch … seid ihr auch seelenverwandt?" - "Naja, nicht gleich übertreiben..."
"Funktioniert das gut mit den Stiftnotizen auf dem Handy?" - "Ja, das geht manchmal einfach schneller als Tippen." - "Ist da eine automatische Handschrifterkennung dabei?" - "Bei meiner Klaue muss ich da noch auf die Quantenrechner warten..."

Spieler 1-3 ready? Auf die Bühne! Go!
"Beim Spielen ist das Lernen nicht weit ... und natürlich das Thema 'Kommerz im Gaming' wie InApp-Käufe, aber so etwas wie Sammelkarten kennen wir ja schon aus der analogen Ära... Spiele wurden schon immer also auch 'verernstet'... und Literatur kann man ja auch als 'Spiel per se' sehen..." - "Was wäre dann das Gegenstück zu 'Krieg und Frieden'? (siehe auch "während einer Partie mit ihm kann ich Romane lesen" weiter unten! Anm. d. Prot.) Zehn Runden Risiko am Stück?"
"Ihr dürft jetzt reinrufen, wer als Erste:r lesen darf. Nein, nicht Namen, sondern durch Vorlesen eines der Textfragmente auf einem der ausgelegten Zettel... vielen Dank. Und unser erster 'Wer' (Wer-Autor:in? Jaulen die nachts den Mond an? Oder sind gespalten wie Jelinek und Hyde? Anm. d. Prot.) iiiiiiiist daaaamiiiiit... Yvonne! Und wer ist Yvonne, darf ich gleich ausführen? Autorin natürlich, aber davor war sie Kunstlehrerin, aber nur ein Jahr lang." - "Ja, wir haben dann festgestellt, dass ich die, die sie vergrault haben, später in Kunst hatte." - "Na, Hauptsache Du warst nicht der Schüler der sie vergrault hat, Philip. Und die drei Quizkategorien, die Yvonne definieren, sind: Unfug, Kinder, Koffer." - "???" - "Na, der Koffer, der da steht. Beziehungsweise auch ein paar Jahre 'Museum im Koffer'." (Warum wird das 'Unfug' hier nicht aufgelöst? Wir wollen keine Klage wegen übler Nachrede... Anm. d. Just.)

Ihr erster Text aus ihrem Roman "Casting" war eine Szene, wo Teilnehmer:innen - sog. "Castidaten" - das System boykottieren, indem sie die Preisannahme verweigern ... auch wenn diese wegen Dysto-Sozialstaat-tot-Setting teils lebenswichtig sind, wie etwa die "Hutzen" genannten Zelte. Ein mitreißendes und nachdenklich machendes Setting.
"Ich liebe ihre Protagonist:innen-Namen, da ist sie so kreativ wie Terry Pratchett! Admiral, Quecke, Schlawine ..."
Und dem Klangkofferinstrument (analog, kein Synthi... wobei es ja auch analoge Synthis gibt. Und von denen wiederum Virtualisierungen als Plugins für Computer-Musikprogramme ... Anm. d. Prot.)(hat dieser Einwurf die Leserschaft tatsächlich erhellt? Was glaubst Du? Anm. d. Red.) entlockte die Autorin während der Lesung diverse untermalende Soundeffekte, wie Fahrtwind, hereingeschobene Rolltische und ein live gespieltes Martinshorn. Auch der Kamera-Bruch wurde akustisch mit Verve intoniert!

Dann wurde Philips Text ausgerufen und der Autor von Yvonne vorgestellt: "Das wichtigste über Philip: er lebt! Und er hat drei Kinder und vier Bücher..." - "Das klingt jetzt so als ob die Reihung strikt abwechselnd war, aber das stimmt nicht ..."
Sein erster Text: Ein sehr unterhaltsame Kurzgeschichte, die tiefe Einblicke in die Leiden eines zwar sehr gut verdienenden E-Sportlers bot, den aber ständig Ängste vor Trainingsausfall durch Mausarm und Sehnenscheidenentzündung und jüngerer Konkurrenz plagen.
"Das ist eine ganz eigene Welt mit eigenen sozialen Regeln und Begrifflichkeiten, da bin ich tief in die Recherche eingestiegen... 'Counter-Strike'-Weltmeisterschaften... Zwei Teams auf verschiedenen 'Maps', immer wieder die Rollen von Geiselnehmern und Geiselbefreiern tauschend..." - "Das erinnert mich an den Roman 'Miami Punk' von Juan Guse. Da ist ein roter Faden auch eine Counter-Strike-E-Sports-Truppe..."
Die Dankbarkeit, dass man nicht mehr PCs und Röhrenmonitore zu LAN-Partys und Turnieren schleppen muss, partiell gesponsorte Ernährung - so man Energydrinks und KFC so nennen mag - dafür aber Gymnastik, denn die Erkenntnis, dass in kranken Körpern die Konzentration und damit der Spielerfolg nachlässt, ist durchaus vorhanden.
Immer wieder Lacher im Publikum bei Sätzen wie "Unsere Muskeln waren gut geschützt unter einer Schicht Robbenfett", "schon der Großvater hat Counter-Strike gespielt" oder - während des Showdowns im Game mit einem KI-Trainingsbot - das "in zehn Minuten Essen!" der Mutter. 
Dann die philosophische Wendung, der Glitch in der KI ... "Kämpfe, verdammt!" - "Wozu? Und sag mir lieber: Was bedeutet es, einen Körper zu haben?"
(Die Missionarsstelle müsste man in der Geschichte noch mal lesen, da habe ich den Anschluss verpasst: Der Missionar missioniert auf der Insel, klar, und wir erfahren die Gedanken der missionierungsunwilligen Eingeborenen wie 'was hat der Arme verbrochen, dass man ihn zu uns schickt' und 'halten die uns für so leicht beeinflussbar'? Aber was hat das mit dem Counter-Strike-Showdown kurz davor zu tun? War das ein Gedankenkonstrukt der KI? Anm. d. Prot.)(Ah, ich habe mich schon gefragt, wann Deine Mitschreibeversuche und die erzählte Echtzeit des Abends anfangen, auseinanderzulaufen … der Justitiar hat gewonnen, er hat auf 'spätestens im vierten Absatz' getippt. Anm. d. Red.) - (Moment: ihr schließt Wetten auf mich und mein Versagen ab? Anm. d. Prot.) - (Na, das passt doch zum Thema 'Monetarisierung der Spielelandschaft'! Anm. d. Just.)
Jedenfalls spannend und erleuchtend, das "Der Pazifizismus der KI verbreitet sich epidemisch, dass darf nicht sein!"
Abschließend noch ein paar Erläuterungen von Philip: "Da wurden die Fachtermini der E-Sport-Szene verwendet. Wenn man die als Nicht-Gamer nicht komplett im Detail versteht, macht das nicht, bzw. ist das so geplant. Es geht mehr um die Vibes. So wie Jägerlatein und Seemannssprache. Aber die Missionarsgeschichte ist übrigens in echt in etwa so passiert!"

Weiter ging es zu Level 3, und tatsächlich wurde der dritte im Bunde, Chrys, mit "im letzten level ein fluechtiger eindruck: saeuglingsaehnliche wesen" aufgerufen und Punkte seiner Vita von Philip aufgeführt, u.a. die Tätigkeit an den Schnittstellen Literatur, Programmieren also Codeliteratur, schon durch das Schreiben von Spielen am C64, und das Design von Brettspielen. "Ja, meine verlagstauglichkeitssteigernde Regelkomplexitätszunahmevermeidung funktioniert in der Regel nicht..." - "Und dass Du World of Warcraft Digitrade betrieben hast... das hat mich total geflasht, dass das ein Wirtschaftszweig ist!"
("kenne ich von meinem Sohn" war aus dem Publikum zu hören, allerdings wurde nicht weiter ausgeführt ob als Trader oder als Kunde. Anm. d. Prot.)
"Kurz zu Workifizierung des Gamings: um beim Spielen endorphinmäßig ("the dolphin has a lot of endorphine"... Anm. d. Prot.) gut weiterzukommen, muss man sich von Arbeit, Familie und Game-Life-Balance lossagen … ooooder die Globalisierung und Billiglohnländer nutzen und einen echten Angestellten für die virtuelle Welt finden: während Deiner AFK-Zeit (Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung. Sehr wichtig! Ebenso wie das Archiv für Kulturgeschichte. Aber gemeint ist die nicht vor dem Bildschirm verbrachte Zeit. Anm. d. Prot.) erschlägt dieser stellvertretend stumpf und geduldig ein stets an der gleichen Stelle "respawnendes" Fairtrade-Monster, das beim Sterben praktischerweise Münzen zurücklässt, der Angestellte sammelt diese auf, repeat (piep) und verwaltet das sich so kumulierende Guthaben treuhänderisch, um es gegen eine - echte, IRL also "in real life" nutzbare - Bearbeitungsgebühr zu überreichen, auf dass Du so weiterspielen kannst, als hättest Du hyperschallfokussiert ununterbrochen nichts anderes gemacht, was es dir ermöglicht, fantastisches verpixeltes Equipment zu erwerben und auf dem digitalen Schulhof zügig für die wirklich spannenden Quests - sozusagen geschlossene Gesellschaften - ausgewählt zu werden." - "Also quasi: 'Capitalism has left the building but has entered the games.'"

"Du hast vorhin durch Deine Ausführungen zum Thema 'Unverständlichkeit' gewissermaßen eine Brücke zu meinem Vortrag gebaut. Da geht es nicht ums Verstehen von Text oder Musik, sondern darum, (Ab)bilder im Kopf erzeugen. Müde und oder alkoholisiert zu sein, wäre eine gute Voraussetzung." - "Alles klar. Barkeeeeper!"
(Und Du machst jetzt bitte keine Ausführungen, wie bei Chrys Elektroakustik Analog und Digital vernetzt ist, okay? Und ich hoffe, Du versuchst nicht auch wieder, die entstehenden Eindrücke und Bilder wiederzugeben... Anm. d. Red.) - (Menno. Es klang wie Industrialien Music X "Käfer und Wal diskutieren mit einer Harpyie" X Talking Robohead oder so. Anm. d. Prot.) - (Na, na, na ... Anm. d. Red.)
Dann wurde - ins unverzerrte Mikrophon gesprochen - gleichnisgleich das Dilemma der Welt auf den Punkt gebracht: Eigentlich eine Lösung gesehen zu haben, das entschuldigt doch allerlei - siehe Level 45 aus dem Kapitel/der World "tauchbecken mit marianengraben" aus dem Gedichtband JUMP'N'RUN.
(Und bei der Musik ging an manchen Stellen die Dynamik von Forte wieder zurück auf Originalgeräusche … und hätte da ja Pop/Rock/Metal-mäßig ständig mehr Verzerrer und Echo durchlaufen lassen... und natürlich einen Beat und eine Baseline darunter... denk an die den Vortrag des Arbeitskollegen über Punk- und Funk-Basslinien zwei Tage vorher ... Anm. d. Prot.) - (Ja, ja ... und ich wünschte, ich hätte für Musikrezensionen einen Musikjournalisten. Anm. d. Red.)
"Bei dem Gedichtband sind die einzelnen Textzeilen ja mit Leitern verbunden, man kann also anders abbiegen und es kommt ein anderes Gedicht heraus. Ich führe das mal vor …" - "Quasi ein Game Changer, höhö." - "Nein, ein Lyric Changer… ach so, das war ein Wortspiel." - "Das muss an diesem Abend erlaubt sein!"
Und nach einem Racetrack-artigen Sound und einem Gedicht über versunkene Eliteunis, Fehler als Munition, schnarrende Insekten und Retortengeister (das finde ich jetzt gar nicht im Band. Anm. d. Prot.) gab es - wenn auch mit nicht verständlichen Worten - Anklänge an einen Kirchenchor, eine Liturgie, die dann in Walgesang und im Knattern von Motorrädern unterging (quasi: das Gremium Health Bandits MC - oder wie diese Gangs heißen - trauert mit Timmys Angehörigen? Anm. d. Prot.) - (Ich hatte schon Wände, bei denen ich mit gutem Zureden mehr erreicht habe … Anm. d. Prot.)

Weiter bei Station 4. Der Publikumsjoker diesmal: "wenn Sie aber mit einem Schmetterling zusammenstoßen, verlieren Sie ein Leben … ⚠️🦋☠️." - "Ist das eine Sonderform der Chaostheorie?" - "Mir passiert das jedenfalls ständig, das Zusammenstoßen. Zum Glück folgenlos für mich."
Als Chrys das Schmetterlings-Stichwort - aus World "rotlichtverschiebebahnhof", Level 23 - zum Anlass nahm, weiter vorzulesen, trug die Zuschauerin beharrend noch einmal den kompletten Text wie eine Passphrase vor, was aber nichts am ausgewählten Autor änderte.
Die Schmetterlinge entsprechen hier den zu befreienden Geiseln in Counter-Strike. Je nach im Buch verwendeter Leiter kann die Hindernismasse auch mal zum mobilen Vorgarten werden, und auch wenn jeder Player "Bossfights" kennt, lehrt uns der Autor, das Unerwartete zu erwarten, wie Strumpfhosen aus zartschmelzender Schokolade oder Minzstücke die keine Coins sind, was Fairtrade klar erschwert. Aber die Gefahren sind klar außerhalb des Screens zu verorten, auch wenn die Schmetterlings Zombie ver Wer puppen innerhalb lauern. Außerhalb des Protokolls.
Massive Multi Meta Player Morph phosenphobie
Mit powergefarmten wohlgeformten Gigatonnen-Radieschen von unten
den Atomschlag
abwehrschläger abwehren mittels
fluch zeuch &
bedenken träger
Pro   nom
Por     no
Tor pe do (der japanische Weg explosiver Sexualitätsdarstellung? Da waren doch andere Begriffe... Anm. d. Prot.)
(Dieser epilyrische Anfall entspricht nicht den vorgelesenen Originaltexten. Bitte kaufen Sie das Buch. Anm. d. Just.)
"was ich noch sagen wollte", sagte der Autor mit unverzerrter Stimme, nachdem er mit unverzerrtem Gesicht aber verzerrter Stimme die Klangkunst fortgesetzt hatte. Zwei aufgeschnappte Zuschauerkommentare: "das klingt wie die aktuellen politischen Diskussionen." - "Den Effekt brauche ich für meine nächste Telefonkonferenz!"
Autorenkommentar, blätternd: "Hmm… zu diesem Sound passt kein Text... ah, da: Level 19, Sterntalerchen"
Und der nächste abstrakte Kosmos - griechisch: der Wohlgeordnete - entfaltete sich, die Unendlichkeit des echten und die unendlichen Möglichkeiten des digitalen (üb)erschlagen einen ja...
und beim "dafür halt ich mein schürzerl nicht auf heut nacht" gibt es spontanen Szenenapplaus des Publikums.
Naht(od)los geht es wieder in den Klangkosmos, der "Sound of golden coins" sozusagen, der Radiosprecher artikuliert sich in Technowalsprache mit "sich rückkoppelnden wolfslauten".
"Shopping? Nein! Durchrennen durchs Kaufhaus!" - "Yessss! Wie Parkour, das ist im Kern ja auch eine Protestform gegen das Urbane, also kein Sport, sondern eine Lebenseinstellung (Traceur-Do? Anm. d. Prot.)(Was haben wir über Insiderscherze gesagt? Denn dazu muss man den Fachbegriff für die Läufer kennen, und dass Du in Deinen Protocollagen dauernd Running Gags - ha! - versuchst, in diesem Fall den Querverweis auf die letzte Protocollage und die japanische Art, auch aus Blumenschmuck eine Philosophie zu machen... Anm. d. Red.) - (Aber der taz-Artikel zu Parkour war wirklich sehr interessant! "Das Fortführen der kindlichen Bewegung als Erwachsener …" Anm. d. Prot.)

"Was zum Bratrohr hatte der gutgenährte Kerl hier beim Essenscasting verloren?"
 - "Ja, damit, also einer Antwort darauf, können wir dienen. Yvonne, Level 5 gehört Dir, bitte sehr!"
"Gerade kletternde Konkurrenz schläft erwiesenermaßen nicht, das ist nachvollziehbar." - "Und angespannt zu lauschen, wie sich der Protagonist schlägt, ist doch ähnlich voyeuristisch wie beim beschriebenen Publikum der Show?"
Die Soundeffekte aus dem Klangkoffer waren teils aus dem eingangs vorgelesenen Kapitel bekannt - wie die Trampolin-Federn - teils aber auch neu zugewiesen, wie das Magenknurren oder der Kurbelsound, der diesmal einen Helikopter darstellte. "Interessant, der Sound zum Griff in die leere Tasche..."
Und das "Feuer unter dem Hintern" des Moderators wirkt im ersten Moment echt! (Des vom beschriebenen Moderator geäußerten Satzes, nicht ein Feuer unter den Stühlen der sich bei der Moderation abwechselnden Autor:innen auf der Bühne. Mal ernsthaft: Soll Deine beschreibende Unschärfe ein Stilmittel sein?! Anm. d. Red.)
Die reiche Fabulierbe der Autorin zeigt sich in diesem Kapitel bei den Beleidigungen (Monkey Island-Vibes! Anm. d. Prot.), die der Konkurrent dem Protagonisten entgegenschleudert: "brechmittelinduzierter Kotzbrocken" - der er ja eigentlich selbst ist - , "Feigsocke" oder "lackiertes Meerschweinchen"!
Und die Gewinnerin des Wettbewerbs teilt mit ihm, so dass er der geschmacklosen Reisnudelkartoffelpampe entkommt: Der Beginn des Kampfs gegen ein menschenverachtendes System.
Einigkeit auf Bühne und beim Publikum: "Jetzt hab ich Hunger!" Und Hunger danach, zu erfahren, wie es weitergeht!

"Hinter den staehlernen Wellenbrecher kamen sie nicht." - "Das wäre dann wieder ich. Das stammt aus einem dedizierten Pandemietext für die damalige Corona-Geschichtensammlung des Curt, mit längst verdrängter Fachsprache, wir erinnern uns: 2G plus und so ... Familien ohne Gärten und gesperrte Spielplätze ..." - Aufstöhnen im Publikum.
Und wie bei Stefan Winters "eine andere Geschichte" - siehe Protocollage vom 22. April -, wo zu Beginn viele sterben, aber das Publikum aufgrund der darauffolgenden absurden Maximalüberspitzung befreit lacht, gab es auch hier ständig etwas zu lachen: Der Virus hatte alle Alten dahingerafft, bis auf den Großvater des Protagonisten, weil dieser sich zum un-unpassendsten Zeitpunkt ein paar Tage im Wald verirrt hatte. Doch die Familie hat kaum noch etwas von ihm, da aus Vorlesen für Kinder von Freunden mittels Angebot und Nachfrage stadienfüllende Tourneen wurden, denn schließlich waren ja auch die Stones und andere Rockopas tot.
Ausführlich wurden Merchandise, Livestreams und Reichtumsmaximierung beschrieben, das Lachen blieb dem Publikum gelegentlich im Hals stecken, brach dann aber bei Passagen wie "Nur das 'Na?' war gescriptet, das Erzählen vom Krieg danach war Freestyle" oder "Nur die hochzahlenden VIP-Gäste kamen hinter die stählernen Wellenbrecher und bekamen beim Meet&Greet die Haare gewuschelt und klebrige Kekse gereicht" - was die echte Familie durch tagelanges Offenlassen der Packung auf dem Fensterbrett nachstellt - umso befreiter heraus ... auch wenn das "Vater hatte schon jetzt Tränen im Auge" wieder für einen Moment nachdenklich machte, oder das "in Dänemark wurde nicht gestorben", da woanders ja sehr wohl...
"Und dass sich einer bei einer Rede auf die Brust gebrochen hat, hatten wir auch noch nicht. Etwas vollgesabbert, ja, halt das, was beim Sprechen noch im Mund war, kein Wiederkäuen..." (Erneut sicherheitshalber ein Legal Disclaimer: Das Erbrechen kam in der Geschichte vor, nicht beim Auftritt. Anm. d. Just.) - (Hey, Protocollagist! Fällt Dir eigentlich intertextuell auf, dass sich in letzter Zeit zunehmend der Justitiar einschalten muss? Anm. d. Red.)
"Einige Opa-Anekdoten waren aus meiner Zivi-Phase. Also aus dem, was der Patient mit Parkinson erzählt hat. Man musste sehr nah ran, um ihn zu verstehen." Auch dafür gab es Applaus.

"Damit wären wir durch! Kritik bitte nur konstruktiv." - "Oder passend zum Abend spielerisch."
"Ich konnte während der Lesung nicht einschlafen." - "Äh ... und das ist gut so!"

Beim Meet & Greet noch nostalgisch schwelgendes Erinnern an die - jeweiligen - Anfänge der Computerspiele: "Mein Gegenspieler hat immer so lange überlegt, dass ich mich währenddessen durch die Weltliteratur gelesen habe." - "Das geht nur bei rundenbasierten Spielen." - "Ich habe damals viele Tutorials online gestellt. Heute wäre ich Influencer, aber ich war zu früh dran." - "Ja, die Ungnade der frühen Geburt...."
"Sag mir, welcher Spielertyp Du bist - Casual Gamer, Adventure and Logic Puzzle Specialist, Speedrunner, E-Sportler, Ego Shooter, Konsolenfighter, Jumper and Runner, Simulationen-Spieler - und ich sage Dir ... 
... ... äh ... ... was für ein Typ Du bist." - "Ich war nicht in der Auflistung." - "Ah. Typ Pedant."
"Ich habe gehört, es gibt jetzt wieder Nostalgie-LAN-Parties." - "Aber Röhrenmonitore und PCs schleppt man da nicht mehr hin, oder?"
Auch Erfahrungen über WGs werden ausgetauscht. "Okay, Dein 'im Keller einer Backstube' ist nicht schlecht, bei mir hatte die Vermieterin im Hinterhaus Zimmer mit maximal millimeterdünnen Wänden abgetrennt, man hatte somit voll Anteil am Leben der Anderen. Und als mich einer der Nachbarn mal einlud und mir dann beim Kaffee erzählte, dass er Tabletten nimmt und Stimme hört, die aber nicht in seinem Kopf sein könnten, weil sie Sachen wüssten, die er nicht weiß, hatte ich schon Sorge, dass er sich irgendwann Stephen King Shining-mäßig durch die Wand hackt." - "Und ich hatte damals den alten Rechner von jemanden geerbt, inklusive Browser-Historie der Pornoseiten. Aber ich hatte damals keinen Internet-Anschluss."
(weitere Topics waren noch: Hex-Cheating, der Nicht-Durchbruch von VR, da sich viele dabei erbrechen, und das Geben und Nehmen bei Torrents und was davon strafbar war und ist. Anm. d. Prot.) - (Du wirst müde? Gott seis gedankt. Anm. d. Red.)
"Da war noch ein Schwarzhörer über Handy, den müsst ihr mitzählen." - "Ach, Dein Kind hat auch angerufen?"
"Hier steppt die Bärenschanze!" Und mit Gesprächen über Katzenpflege und warum unsere Verwandten, die Affen, keine Großkatzen wie Pumas leiden können - "vielleicht daher unser Drang, sie zu halten: Kontrolle!" - endete "LEVEL UP? – die Literatur-Game-Show". 
Spiel, Spaß und viel gelernt! Bedankt!

Liebe Grüße Jogi
PS: Gamifizierung von Umweltschutz, Energiewende, internationaler Zusammenarbeit und Demokratieerhalt? Wer spielt mit?